ich finde es interessant, dass hier in der "West-Presse" nur vom Leid der Mütter berichtet wird.
Thomas



 

Zwangsadoption in der DDR:
Kidnapping per Gesetz

Zwei Jahre nach dem Fall der Mauer kommt eines der dunkelsten Kapitel der DDR-Geschichte ans Licht. In Zeitungspapiereingewickelte Schriftstücke aus den Archivkellern des Bezirksamtes Berlin-Mitte beweisen, was Ost- und Westpolitikerjahrelang geleugnet hatten: In der DDR wurden Kinder auf Veranlassung des Staates, ohne Einwilligung derleiblichen Eltern, zwangsadoptiert.

Das Thema warkeinesfalls neu.Bereits 1975 berichteteder„Spiegel” überdie Praxis der gewaltsamen Familientrennung„wegen RepublikFllcht verurteilter und vonder Bundesrepublik freigekaufterEltern”. Die Veröffentlichungführte zu einem Eklat,der die innerdeutschen Beziehungenschwer belastete. DerSpiegel-Korrespondent in Ost-Berlin wurdeausgewiesen, der ständige Vertreter derDDR in Bonn kurzfristig vor seinem Antrittsbesuchausgeladen. Helmut Schmidtsah die Unterzeichnung des Verkehrsabkommensmit der DDR schwinden, dieDDR sprach von einer „groß angelegtenHetzkampagne”.

Die 16 Jahre später in Berlin gefundenenAktenordner belegen detaillierte Schicksale.In mehreren Fällen wurde von 1971 bis1974 Eltern aus politischen Gründen,meist unter dem Vorwurf der Republik-?ucht oder der Spionage, das Sorgerechtfür ihre Kinder entzogen. Hauptverantwortlich:die damalige Ministerin fürVolksbildung Margot Honecker. In derDDR eine mächtige Frau. Das mussteauch Petra Köhler erfahren.

Mit den Lebensumständen in der DDRunzufrieden, rebelliert sie, versucht, dieDDR auf legalem Weg zu verlassen, stelltmehrere Ausreiseanträge. Und gerät dadurchins Visier des Staatssicherheitsdienstes.Petra Köhler wird mehrfach vorgeladen,soll die Antragsstellung unterlassen.Belehrungen. Drohungen. Die Stasiweist der jungen Mutter eine Altbauwohnungzu, ohne Bad, an den Wändenwächst der Schimmel. Als sie sich beschwertund den Gang an die Wahlurneverweigert, lernt sie eine der per?denStasimethoden, die so genannte „Assi-FalleStufe 1”, kennen: Ihr werden alle Rechteder DDR aberkannt, sie verliert ihrenJob und darf nur noch das machen, wasdie Abteilung Inneres des Kreises Gera ihrzuweist. In ihrem Fall: Kartons kleben.

Die „Assi-Falle” ist auch für Uwe Hilmervon der Forschungs- und GedenkstätteNormannenstrasse kein Fremdwort: „Dasviel gerühmte Recht auf Arbeit hatte aucheine dunkle Seite – die Verp?ichtung zurArbeit. Wenn jemand aus seinem Berufentfernt wurde, dann war es für ihn wichtig,dass er so schnell wie möglich wiederArbeit fand. Ansonsten hätteunterstellt werden können,dass er asozial lebte. Und Asozialehatten natürlich auchdas Recht zur Erziehung ihrerKinder verwirkt. War esso weit, begannen die Mühlendes Apparates zu mahlen.”

Im Fall Petra Köhler mahlensie besonders gründlich. Dasie sich gegen die „Diktaturdes Proletariats” wehrt, greiftStufe II der „Assi-Falle”. Im Februar 1981wird ihr, veranlasst durch den Staat, in derKinderkrippe Gera ihr Sohn weggenommen.Über die Mauer der Krippe hinwegversucht sie Kontakt mit Enrico aufzunehmen.Eine Kindergärtnerin entdeckt sie,informiert die Stasi. „15 Minuten späterhaben sie mich geholt.” Die 21-Jährigekommt ins Geraer Stasigefängnis. Manverbietet ihr, sich noch einmal in die Näheder Kindereinrichtung zu begeben, mandroht mit Gefängnis, schlägt und tritt sie,auch in den Unterleib. „Das Kinderkriegenwürden sie mir austreiben, haben siegesagt.” Als Petra 1984 ihren zweitenSohn Sven bekommt, erscheinen zweiStasibeamte auf der Entbindungsstation.Sie sprechen eine deutliche Drohung aus:„Wenn ich mich dem Staat nicht beugenwürde, dann sei er der Nächste.”

Aus Angst, auch ihren zweiten Sohn zuverlieren, zieht sie sich zurück. Sie verhältsich still, bekommt im Laufe der Jahrenoch zwei Mädchen, Jeanetteund Jaris. Enrico sieht sie niewieder. Kein Fluchtversuch,kein illegaler Grenzübertritt –im Gegensatz zu vielen anderenhatte sie lediglich versucht,die DDR auf legalem Weg zuverlassen.

Der Fall von Petra Köhler istkeine Ausnahme. „Mir persönlichsind mehrere Fälle bekannt”,bestätigt Uwe Hilmer.„Ich glaube, ich begebe michnicht auf unsicheres Gebiet,wenn ich sage, dass es wohl einigehundert Fälle gewesensind.”

Anfang der 90er Jahre wird inBerlin eine Clearingstelle eingerichtet,um diese Adoptionsfällezu überprüfen. Anlaufstelleauch für Petra Köhler.Nach der Wende nimmt sie dieSuche nach ihrem Sohn wiederauf. Doch sie kommt nichtweit. Auf dem Jugendamt Geraarbeitet noch dieselbe Mitarbeiterinwie zu DDR-Zeiten.„Dahin bin ich dann nichtmehr gegangen, weil die Frau,die in die Adoptionssache verwickeltwar, dort noch gearbeitethat. Da hätte ich mich nichtunter Kontrolle gehabt. Diehatte mir mein Kind weggenommen!”

2003 ist die Betreffende nichtmehr im Jugendamt tätig.Jetzt leitet Petra Köhler erneutdie Suche nach Sohn Enricoein. In einem Brief schreibt sieihm, dass sie seine leiblicheMutter sei. Nach geltendemAdoptionsrecht darf sie nichtin direkten Kontakt mit ihmtreten, das Jugendamt soll den Brief weiterleiten.Doch der größte Schock stehtnoch bevor. Petra Köhler soll schriftlich indie Adoption ihres Kindes eingewilligt haben.„Im Gefängnis haben sie mir Tablettengegeben. Mir fehlen einige Stundenmeines Lebens …” Sie beantragt Akteneinsicht.Und tatsächlich wird Petra Köhlerdie Einwilligung in die Adoption vorgelegt.Unterschrieben mit ihrem MädchennamenHartmann. „Man hatte mirmal im Gefängnis mehrere Dokumenteübern Tisch geschoben, aber die hab ichnicht unterschrieben, das weiß ich ganzgenau.”

Für Hilmer ist es durchaus denkbar, dassDokumente gefälscht wurden. „Andererseitsbesteht aber auch die Möglichkeit,dass man sie in eine Situation gebrachthat, in der sie keine andere Möglichkeitmehr gesehen hat als zu unterzeichnen,um dieser Situation zu entkommen.”

Erst vor einigen Monaten erfährtPetra Köhler, warum ihrdas Kind weggenommen wurde.Ausreiseanträge an sich warennicht strafbar. Stattdessenwird ihr alles, was sie selbst kritisierthatte, als Schuld angelastet.Ihre damalige schimmligeWohnung, die der Staat ihrzugeteilt hatte, ihre Arbeitslosigkeit,nachdem der Staat ihrden Beruf aberkannt hatte.„Asozial” lautete der Vorwurf,der dem Staat das Recht einräumte,auf Paragraph 249 desStrafgesetzbuchs zurückzugreifen:legitimierter Kindesentzug.

Wochen später hatte das Jugendamtden Brief an Enriconoch immer nicht weitergeleitet.Nur die Adoptionsakte liegtihr nun als Kopie vor.

Schlüsselfigur in SachenZwangsadoption war MargotHonecker. Doch direkte Anweisungenvon ihr an die Jugendhilfenlassen sich nichtnachweisen. Unbehelligt reistsie 1992 nach Chile aus. Auchder Leiter der Jugendhilfe imVolksbildungsministerium,Eberhard Mannschatz, ist zukeiner Stellungnahme bereit.Er erklärt lediglich: Zwangsadoptionenhabe es in der DDRnicht gegeben.

Keiner der Verantwortlichenwird nach der Wende vor Gerichtgestellt. Im Einigungsvertragist das DDR-Recht anerkanntworden, die Täter habendemnach keine Gesetze gebrochen.Mit Ausnahme der Todesschüssean der Mauer. Siewerden als schwere Menschenrechtsverletzunggewertet. Zwangsadoptionennicht. Laut gültigem BGB ist auch heutenoch die Entziehung des Sorgerechts bei„staatsfeindlicher Beein?ussung” möglich.Bisher gibt es aber kein einziges Urteil,das ein Kind aus diesen Gründen inöffentliche Obhut brachte.

Enrico heißt jetzt Florian, ist in Sachsenaufgewachsen und lebt jetzt in Bayern.Nach 22 Jahren haben sich Mutter undSohn, nachdem ihr Brief endlich weitergeleitetwurde, bisher erst zweimal gesehen.Das Zusammenwachsen ist schwierig.Die DDR hat sie getrennt. Petra Köhler istheute Mutter von vier Kindern und lebt inder Nähe von Leipzig.

MÜTTER OHNE KINDER
Kindesentzug in der DDR
25. Dezember 2003, 19 Uhr
MDR FERNSEHEN

Quelle
http://www.mdr.de/DL/1074217.pdf


Gisela Mauritz - Ein Kind wird zwangsadoptiert

1970 kam ihr Sohn Alexander zur Welt; Gisela Mauritz entschied sich, den Vater nicht zu heiraten und das Kind allein großzuziehen.

Freunden aus der Greifswalder Zeit gelang 1973 mit einem Fluchthilfeunternehmen der Weg in die Bundesrepublik. Nachdem sie ihren geflohenen Freunden in einem Brief »konspirativ«, wie sie sagt, ihre Entschlossenheit zur Flucht mitgeteilt hatte, unterrichteten diese eine Fluchthilfe­organisation. Ein nach Ost-Berlin entsandter Kurier teilte ihr Codes und nähere Angaben zu der geplanten Flucht mit.

Sie sollte mit ihrem kleinen Sohn an der Transitstrecke von Berlin nach Marienborn aufgenommen und in den Westen geschmuggelt werden. Zwei Versuche schlugen fehl, weil die »Ausschleusungsfahrzeuge« aus dem Westen nicht erschienen. Beide Male fuhr sie zurück in ihre Wohnung nach Ost-Berlin. Sie ahnte nicht, daß sie bereits in das Blickfeld der Stasi geraten war. Das Ministerium für Staatssicherheit hatte fast alle Fluchthilfe­unternehmen mit Agenten durchsetzt.

Bei dem dritten Fluchtversuch wurden Gisela Mauritz und ihr Sohn auf der Transitstrecke Marienborn von einem Lkw aufgenommen; das Kind hatte sie mit Valium beruhigt. Am Grenzübergang Marienborn erfolgte eine Ladungskontrolle, bei der ihr mit einer elektromagnetischen Klappe gesichertes Versteck von der Stasi zwar gefunden, aber zunächst nicht geöffnet werden konnte. Nach massiven Drohungen verließ sie ihr Versteck; sie wurde mit ihrem Kind in Stasi-Baracken abgeführt, das Fahrzeug durchsucht. Vom Schicksal des Fahrers erfuhr sie nichts - auch nicht, ob er die Flucht verraten hatte.

Am folgenden Tag, dem 14. Juni 1974, wurde ihr noch vor der Abfahrt nach Berlin der vierjährige Sohn weggenommen. Sie sollte ihn fast 15 Jahre nicht wiedersehen. Gisela Mauritz kam in die Untersuchungshaft nach Hohenschönhausen. Dort hörte sie erstmals von der Möglichkeit, daß politische Häftlinge der DDR von der Bundesregierung freigekauft werden konnten.

Obwohl sie das alleinige Erziehungsrecht für Alexander hatte, verweigerte man ihr jede Auskunft über den Verbleib des Kindes. Der Junge sei, so die Stasi in den Verhören, »gut aufgehoben«, und auf bohrende Nachfragen von Gisela Mauritz reagierte die Stasi mit erbarmungslos harten, über viele Stunden geführten Verhören, bis sie schließlich zusammenbrach.

Im August 1974 wurde Gisela Mauritz nach Magdeburg verlegt, ihr Prozeß für September angesetzt. Sie mußte befürchten, daß sie zu einer zweijährigen Haft verurteilt werden würde. Als mögliche Verteidiger legte man ihr drei Namen vor; sie entschied sich für den ihr persönlich nicht bekannten Rechtsanwalt Vogel, der ihre Vertretung jedoch nicht persönlich übernahm. Etwa eine Woche vor Prozeßbeginn erschien an Vogels Stelle sein Mitarbeiter G. und führte mit ihr ein halbstündiges Gespräch. Fragen zur Sache stellte er nicht, vielmehr zeigte er sich – wohl wegen der Abhörung durch die Stasi – »ängstlich und eingeschüchtert«.

Knapp zwei Wochen vor dem 25. Jahrestag der DDR-Gründung, am 24. September 1974, fand der Prozeß gegen Gisela Mauritz statt. Die Angeklagte nutzte die Gerichtsverhandlung zu einer »befreienden Rede«, in der sie die DDR direkt angriff. Sie habe, so ihr Anwalt, die Sache dadurch nur noch schwieriger gemacht. Dagegen hielt er nach Ansicht von Gisela Mauritz »ein ganz unzulängliches Plädoyer«, das keine wirkliche Verteidigung dargestellt habe; nicht einmal das Kind sei erwähnt worden. Das Urteil lautete auf viereinhalb Jahre Zuchthaus. Gisela Mauritz schoß in diesem Augenblick nur der Gedanke durch den Kopf: Was wird aus meinem Kind?

Eine Woche später wurde sie ins Zuchthaus Hoheneck transportiert. Sie traf Mitgefangene, die wegen versuchter Republikflucht zu noch längeren Haftstrafen verurteilt worden waren. Sie wurde einerseits durch weitere Informationen über Freikäufe ermutigt, andererseits hörte sie erstmals davon, daß Müttern aus politischen Gründen die Kinder weggenommen und an andere Familien zur Adoption gegeben worden waren.

Ende 1974 erhielt sie die Vorladung zu einem Termin in Berlin - das Referat Jugendhilfe beim »Rat« ihres zuständigen Stadtbezirks wollte ihr das Erziehungsrecht für den Sohn Alexander wegnehmen. Auch dieses Mal wandte sie sich in ihrer Angst vergeblich an Rechtsanwalt Vogel. Noch in Hoheneck fertigte sie Ausarbeitungen zu ihrer Verteidigung, aber die Anstaltsleitung nahm ihr die Unterlagen weg.

Nach Berlin verlegt, wurde sie dort gemeinsam mit Kriminellen inhaftiert. Bei dem Prozeß um das Sorgerecht, der im März 1975 stattfand, war kein Vertreter des Anwaltsbüros Vogel anwesend. Eine Möglichkeit zur eigenen Verteidigung und zur Verteidigung ihres Kindes erhielt sie nicht. Das Referat Jugendhilfe warf ihr im besonderen vor, daß die bei dem Fluchtversuch zur Beruhigung Alexanders verwendete Spritze aus der Bundesrepublik gekommen sei, und die Richterin verstieg sich zu der Unterstellung, daß die Injektion auch Zyankali hätte enthalten können.

Von Gisela Mauritz benannte Zeugen, die das gute Mutter-Kind-Verhältnis bestätigen wollten, durften nicht aussagen. Bei dem zweiten Gerichtstermin, der vier Wochen später stattfand, wurde sie von Rechtsanwalt Starkulla, einem Mitarbeiter Vogels, verteidigt. Obwohl sie ihn vorher nicht gesehen hatte, habe er, so Gisela Mauritz, seine Sache »gut« gemacht. Da sie seit dem Fluchtversuch – mithin seit zehn Monaten – ohne Nachricht von ihrem Kind war, forderte der Anwalt Auskunft über Alexanders Verbleib. Der Vorstoß blieb ergebnislos: Gisela Mauritz wurde das Erziehungsrecht für ihren fünfjährigen Sohn entzogen. Ihr Anwalt riet ihr von einer Berufung ab – offenkundig wolle man an ihr ein Exempel statuieren.

Gisela Mauritz, inzwischen nach Hoheneck zurückgebracht, wollte auf die letzte Chance der Berufung aber nicht verzichten und hoffte, daß ihr Sohn an die Großeltern gegeben würde. Im Berufungstermin, der bereits im August 1975 stattfand, ließ das Referat Jugendhilfe anklingen, daß Alexander sich bei einer »betreuenden Familie« befinde. Noch vor der Urteilsverkündung wurde Gisela Mauritz nach Hoheneck zurückgebracht.

Eine Freundin half ihr mit einem kleinen, aber für die verzweifelte Frau wichtigen Dienst. Aus der Ferne konnte die Freundin den kleinen Alexander sehen, als seine Kinderheimgruppe zu einem Ausflug auf den Ost-Berliner Alexanderplatz kam. Die Furcht vor der Stasi veranlaßte die Freundin, den Rückweg der Kinder nicht zu verfolgen. So blieb der Aufenthalt des Jungen unbekannt. Die Freundin konnte ihn lediglich aus der Distanz fotografieren; das Foto brachte sie der Mutter bei einem Besuch in der Haft mit. Gisela Mauritz fand, daß ihr Alexander jetzt wie ein »sozialistischer Soldat« aussehe. Für viele Jahre sollte ausgerechnet dieses Foto das letzte Lebenszeichen sein, das Gisela Mauritz von ihrem Kind hatte.

Kurz vor Weihnachten 1976 – Gisela Mauritz kann auch im Rückblick von 20 Jahren nicht an einen jahreszeitlichen Zufall glauben, sondern nimmt puren Zynismus an – wurde ihr in der Haftanstalt Hoheneck die Zwangsadoption ihres Kindes eröffnet. Die von ihr nie für möglich gehaltene Nachricht löste einen Schock aus. Sie brach mit Weinkrämpfen zusammen und »drehte«, wie sie es selbst beschreibt, in ihrer mit 24 Frauen belegte Zelle »völlig durch«, bis sie vom Wachpersonal medikamentös ruhiggestellt wurde. Als sie nach Wiederaufnahme der Arbeit Elektromotoren vom Tisch warf, galt dies als »Sabotage«.

Die Beruhigungsversuche endeten auf der Krankenstation. Gisela Mauritz erlebt die folgenden Tage im Trancezustand. Als sie zu sich kam, fand sie sich dort ausschließlich von Häftlingen umgeben, die wegen krimineller Straftaten verurteilt waren. Als der Chefarzt ihren schlechten Zustand und ihre seelischen Nöte bemerkte, meinte er nur: »Sie müssen das Problem so sehen: Wenn ein Ziegel vom Dach fällt, dann ist er weg. So einfach ist das auch mit Ihrem Sohn.« Für Gisela Mauritz lautete die Folgerung dieser ärztlichen Bemerkung: Ob Ziegel oder Sohn, sie sind einfach weg, du mußt es hinnehmen.

Gisela Mauritz versuchte eine Neuorientierung; sie besann sich, verzichtete auf weitere, sinnlose Protestaktionen und faßte den Entschluß, den Kampf um ihr Kind wieder aufzunehmen - zunächst ohne irgendein Ergebnis. Der Präsident des Roten Kreuzes der DDR, an den sie sich wandte, schrieb ihr, er könne in dieser Sache nicht tätig werden, und auch von Rechtsanwalt Vogel erhielt sie eine nichtssagende Antwort.

Als sie Anfang 1977 Besuch von einer Cousine aus West-Berlin erhielt, hörte sie, daß Alexander angeblich nicht adoptiert worden sei. Gisela Mauritz verlangte daraufhin den Haftstätten-Anwalt, und seine Reaktion ließ sie hoffen - nein, ihr Kind sei nicht adoptiert. Sie war völlig verwirrt. Die Nachricht erwies sich später als falsch.

Immer noch, drei Jahre nach der Verhaftung, hoffte sie auf die Abschiebung in den Westen. Die Hoffnung schien sich tatsächlich zu erfüllen, als sie im Juni 1977 nach Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) in die Abschiebehaft verlegt wurde. Noch von Hoheneck hatte sie ein Gespräch mit ihrem Anwalt erbeten, aber sie erhielt diesen Beistand auch nicht, als man ihr in Karl-Marx-Stadt einen Fragebogen präsentierte, der u. a. die Frage nach Kindern enthielt. Sie gab wahrheitsgemäß ihren zu diesem Zeitpunkt siebenjährigen Sohn Alexander an. Der Vernehmer reagierte ebenso verständnislos wie abweisend - von diesem Kind wisse man nichts. Sie wurde in die Zelle zurückgeführt und schließlich wieder nach Hoheneck gebracht - ihr Ausreiseantrag war abgelehnt worden. Sie brach erneut zusammen und kam auf die Krankenstation. Ihr körperlicher Gesundheits­zustand war bedenklich, und sie schien psychisch gebrochen.

Gisela Mauritz aber gab nicht auf. Immer wieder zwang sie sich auf die Beine, sie wollte ihr Kind, und sie wollte ihren Peinigern den Triumph eines weiteren Zusammenbruchs nicht gönnen.

Am 13. Dezember 1978 wurde Gisela Mauritz in die DDR entlassen - für sie ein neuer fürchterlicher Schlag. Bis zuletzt hatte sie gehofft, Rechtsanwalt Vogel würde sie »im Auto abholen und ohne Aufsehen in den Westen fahren«. Mit ihrer Haftentlassung war ein Aufenthaltsverbot für die »Hauptstadt der DDR« verbunden. In Döbeln, auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden, wurde ihr bei der Firma ELMO eine Arbeit als Gewindeschneiderin zugewiesen. Da gegen die diplomierte Chemikerin kein Berufsverbot ergangen war, wandte sich Gisela Mauritz erneut an Rechtsanwalt Vogel und erhielt vorübergehend eine Stelle in einem chemischen Betrieb - ausgerechnet im Bereich »Politökonomie«.

Nach einem halben Jahr wechselte sie aus eigenem Antrieb als Requisiteuse und Souffleuse an das dortige Theater. Die an Erich und Margot Honecker sowie das ZK der SED gerichteten Bittbriefe, ihr den Sohn Alexander zurückzugeben, blieben unbeantwortet. Der Versuch, Rechtsanwalt Vogel einzuschalten, wurde durch das ihr auferlegte Berlin-Verbot behindert. Einen Vertreter schickte das Büro nicht, sondern forderte einen »Kurier«. Ein Bekannter von Gisela Mauritz aus Ost-Berlin suchte Rechtsanwalt Vogel auf, aber sein Besuch in der Anwaltskanzlei blieb ergebnislos. Als der Bekannte das Desinteresse und die Passivität von Rechtsanwalt Vogel erkannte und kritisierte, wurde er aus der Kanzlei verwiesen.

Schließlich fuhr Gisela Mauritz auf Vorladung von Rechtsanwalt Vogel Ende 1979 selbst nach Ost-Berlin. wohlwissend, daß sie sich wegen der gegen sie verhängten Auflage nach den DDR-Gesetzen erneut strafbar machte. Von Vogel persönlich zum Gespräch empfangen, sah sie sich, so im Rückblick, von seinem so ganz DDR-untypischen Gebaren »eingeschüchtert«; sie habe ihn »eiskalt« erlebt.

Für ihn sei sie offenkundig eine »kleine Bittstellerin« gewesen - von ihm, so ihr Eindruck, habe sie »nichts zu erwarten gehabt«. Vogel forderte sie auf, im nachhinein ihr Einverständnis zu der Adoption zu geben - für diesen Fall stellte er das ersehnte Wort »Ausreise« in den Raum, nicht ohne den Hinweis, daß sie auf alle Aktivitäten im Westen verzichten und eine entsprechende Zusage geben müsse. Gisela Mauritz merkte, daß die DDR »in meiner Sache absolut nichts mehr« zuließ.

Sie gab Vogel die geforderten Erklärungen und Zusagen und kehrte nach Döbeln zurück.

Auf eine positive Reaktion wartete sie vergeblich – im Gegenteil: Im Dezember 1980 wurde sie erneut verhaftet.

Während ihrer ersten Haft hatte sie die in den Westen entlassenen Mitgefangenen gebeten, von ihrem Fall zu erzählen. Daraufhin nahm kurz nach ihrer Haftentlassung der Missionsbruder Theo Koening aus Hiltrup bei Münster/W. Kontakt mit ihr auf – so wie »Bruder Theo« für viele »Politische« in der DDR und ehemalige Gefangene, die in den Westen gehen durften, seelischer Beistand und selbstloser Betreuer war. Er hatte der in Döbeln »von allen getrennten« Gisela Mauritz in zwei Jahren etwa 30 Briefe und Pakete geschickt; für die faktisch Isolierte war die menschliche Zuwendung von Bruder Theo, den sie ja gar nicht kannte, »ganz wunderbar«. Da Bruder Theo mit >Hilferufe von drüben< verbunden war, wurde gegen Gisela Mauritz der Vorwurf der Zusammenarbeit mit einer »verbrecherischen Organisation« konstruiert. Man machte kurzen Prozeß mit ihr: Sie erhielt erneut zwei Jahre und zwei Monate Haft.

Während der Haft erreichte sie die wiederholte Aufforderung Vogels, der Adoption ihres Kindes nachträglich zuzustimmen, der sie mit großem Bedenken zum zweiten Mal nachkam. Sie wollte nach ihrer Ausreise in den Westen den Kampf um das Kind neu aufnehmen.

Nach Verbüßung der vollen Haftzeit wurde Gisela Mauritz wieder in die DDR entlassen und kehrte im Februar 1983 nach Döbeln zurück. Vorübergehend konnte sie ihre Theaterarbeit wieder aufnehmen, brach aber bald zusammen und kam in eine Nervenklinik. Sie war Ärzten ausgeliefert, die besonders im Fall dieser »Politischen« eng mit der Stasi kollaborierten.

Als Gisela Mauritz ein Fazit ihrer bisherigen Bemühungen zog, kam sie zu einem niederschmetternden Ergebnis: Nach zehn Jahren hatte sie weder ihr Kind wiedergefunden noch die Ausreiseerlaubnis in die Bundesrepublik erhalten. Sie hatte verstanden, daß über ihr Kind nicht mehr gesprochen werden konnte, und sie beschloß »nach außen« so zu leben, als hätte sie kein Kind. Die Stasi setzte u. a. ein IM-Ehepaar auf sie an, aber sie hatte den Test wohl bestanden: Im Mai 1988 erhielt sie ein Telegramm aus der Kanzlei des Rechtsanwaltes Vogel, der sie zu einem Termin vorlud und ihr die Ausreise ankündigte.

Hintergrund der plötzlichen Wendung ihres Falles war ein Treffen Honeckers mit dem Vorsitzenden der CDU/ CSU-Bundestags­fraktion, Alfred Dregger, der ihren Fall angesprochen hatte. Gisela Mauritz mußte zum dritten Mal schriftlich erklären, daß sie im nachhinein mit der Adoption Alexanders einverstanden sei und keine DDR-feindlichen Aktionen in der Bundesrepublik unternehmen werde. Am 8. Juli 1988 durfte sie ausreisen.

In der Bundesrepublik fand sie sofort große Unterstützung bei der Suche nach ihrem inzwischen 18jährigen Sohn. >Hilferufe von drüben<, Zeitungen, Rundfunksender, ganze Schulklassen nahmen sich ihrer Sache an. Bei einem persönlichen Besuch im Bonner Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen versuchte sie, ihre Sache weiter voranzubringen, aber für den Rat des zuständigen Mitarbeiters, Ruhe zu bewahren, hatte sie kein Verständnis. Sie sei 14 Jahre ruhig gewesen, erwiderte Gisela Mauritz, jetzt werde sie handeln.

Der Durchbruch kam mit einer Sendung von »Report München« im Januar 1989. »Report« berichtete über ihren Fall - »Mutter West sucht Sohn Ost« - und zeigte alte Fotos. Der Hinweis auf eine Verbrennungsnarbe, die sich Alexander als Kleinkind zugezogen hatte, war entscheidend. Eine Zuschauerin aus Ost-Berlin, die als Rentnerin in den West-Teil der Stadt reisen durfte, meldete sich und gab den Hinweis. Zwei Tage nach der Sendung erhielt Gisela Mauritz einen Anruf aus dem Innerdeutschen Ministerium, das ihr den Namen und die Adresse der Adoptiveltern mitteilen konnte.

Gisela Mauritz telefonierte und schrieb sofort dorthin, erhielt aber am Telefon die schroffe Antwort, die Sache solle sie mit dem Anwalt der Adoptiveltern klären. Das Innerdeutsche Ministerium sagte zu, ein Treffen zu arrangieren. Sie begab sich in die Kanzlei des West-Berliner Anwalts Naumann. Dort wurde sie von Frau Vogel mit dem Wagen abgeholt; Naumann begleitete sie. In Vogels Kanzlei kam es nach mehr als 14 Jahren zur ersten Begegnung zwischen Mutter und Sohn.

Gisela Mauritz, gezeichnet von den Erfahrungen dieser Jahre, konnte kaum sprechen, Alexander, der keine Erinnerung an seine leibliche Mutter mehr hatte, zeigte sich hilflos. Rechtsanwalt Vogel, den sie auf die im Mai 1988 abgepreßte Verzichtserklärung ansprach, bestritt seine Rolle entschieden.

Nach einer Stunde kehrten Mutter und Sohn in ihre getrennten Welten zurück. Gisela Mauritz konnte ihm in den nächsten Wochen über das Anwaltsbüro Vogel schreiben und Pakete schicken, der Sohn auf demselben Weg antworten. Im April 1989 erhielt sie die Mitteilung, Alexander habe sich für die Ausreise in den Westen entschieden. Aus dem Innerdeutschen Ministerium folgte die Aufforderung, sie möge sich am Abend des 11. April 1989 in ihrer Wohnung aufhalten.

Alexander erschien in Begleitung seines Adoptivvaters, der Gisela Mauritz noch einen Rechtfertigungsbrief übergab.

Nach endlosen schlimmen Erfahrungen konnte Gisela Mauritz ihren Sohn in die Arme schließen. Die Freude wich aber bald bitterer Enttäuschung. Es zeigte sich, daß die von dem SED-Regime erzwungene fast 15jährige Trennung die Basis für eine normale Beziehung zwischen Mutter und Sohn zerstört hatte.

Quelle:
http://www.utopie1.de/enbergs/aretz_opfer1.htm


Menschenrechtler warnen vor Koalition mit PDS

Nach Angaben der Nachrichtenagentur "idea" warnen Menschenrechtler die SPD davor, in Berlin eine Koalition mit der PDS einzugehen. Die SED-Fortsetzungspartei beherberge extremistische Gruppen, die der Verfassung feindlich gegenüber stehen und sei nach wie vor eine kommunistische Kaderpartei, erklärte der Geschäftsführende Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Karl Hafen. Dies beweise ihre Mitgliederstruktur ebenso wie die Existenz "stalinistischer sowie anderer verfassungsfeindlicher Klubs, Seilschaften und Landesverbände". Die SPD dürfe die PDS nicht aus ihrer Verantwortung für die Opfer von Mauermord, politischer Verfolgung und Haft, Zwangsarbeit und Zwangsadoption, Bespitzelung und Studierverbot entlassen.

Quelle:
http://www.jesus-online.de/article.php?article=2071


10 Jahre Fall der Mauer

Es war auch frech von mir, dass ich mich 1983 einfach über den Willen der Staatsanwaltschaft und der Abteilung Inneres hinweg setzte und einfach den Wohnort wechselte Es ging ja auch nur darum, dass man meine Frau zur Zwangsadoption erpressen wollte, weil wir keinen ausreichenden Wohnraum nachweisen konnten.

Diese Akten gibt es heute noch und der eigentliche Skandal besteht darin, dass auch noch damit gearbeitet wird So ist es mir passiert, dass 1997 bei einer Sorgerechtsverhandlung in Norderstedt Westdeutschland eine hoch belastete Stasimitarbeiterin, ehemalige Heimleiterin und in Zwangsadoptionen verstrickte Zeugin aufgetreten ist und aus eben diesen Akten zitiert hat Ein Recht auf Einsicht in diese Akten habe ich selbstverständlich nicht Aber die Zeugin hat einen sicheren Job als Bezirkssozialarbeiterin bei der Kreisverwaltung Bad Doberan Da man davon ausgehen kann, dass nicht nur mit mir so verfahren wurde, kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen, was gespart wurde und noch lange Zeit die Gehälter solcher Bezirkssozialarbeiter sichern wird.

Quelle:
http://www.politikforum.de/forum/archive/1/1999/11/3/4590


Nach 20 Jahren: Mutter findet Tochter wieder
NACH ZWANGSADOPTION 1984 gab es jetzt ein Familien-Happyend in Jena
Harald W. Jürgensonn

Nach 20 Jahren: Anke Krampikowski (25, l.) hat ihre Mutter Elke Cetin (45) wiedergefunden, stellt sie ihren Kindern Beatrice (1) und Michael (7) vor. (Foto: Mitteldeutsche Zeitung/Lutz Winkler)

Köln/Pößneck - Eigentlich schafft man die 441,2 Kilometer von Köln nach Pößneck (Thüringen) in vier Auto-Stunden – doch Elke Cetin (45) und Tochter Anke (25) trennen 20 Jahre.

Bei Elke Cetin, die nach der Wende von Jena nach Köln zog, klingelte das Telefon: "Wir haben Ihre Tochter. Sie wohnt bei Jena. Ach, ja – und sie sind Oma", meldet eine Dame vom Jugendamt. Elke Cetin zitterte. Seit sieben Jahren stand sie mit ihr in Verbindung – bislang gab es keine Spur von Anke. Ihrer Anke.

Sie war sechs, als sie ihr weggenommen wurde, denn ihre Ehe war mit Streit, Zank, Verzweiflung zur Hölle geworden. "Kein geeignetes Umfeld für Kinder", fanden DDR-Behörden, ließen Anke zwangsadoptieren.

Nun klingelte es auch in Pößneck: "Wir haben Ihre Mutter. Ich geb' Ihnen mal die Nummer …"

Anke schickt eine SMS, Elke ruft zurück. Sie wollen sich sehen, am liebsten gleich. Drei Tage später treffen sie sich in Jena: Ohne zu wissen, wie sie aussehen, erkennen sie sich – Umarmung, Tränen. Anke redet drauflos: "Das ist meine Jüngste, Beatrice, ein Jahr. Das ist Michael, dein ältester Enkel, sieben. Philipp, vier, ist gerade bei seinem Vater." Dann zeigt sie ein Foto der Adoptivmutter: "Ihr hab' ihr viel zu verdanken. Ich hatte ein glückliche Kindheit." Und Anke erfährt: Sie hat einen Bruder (22), er wurde auch zwangsadoptiert, lebt heute in Hannover. Anke will ihn natürlich kennen lernen – später...

Zum Abschied sagt die "verlorene" Tochter zum ersten Mal ganz leise "Mutti". Und sie weiß, sie hat einen schweren Gang zur Adoptivmutter vor sich, um zu sagen: "Mutti, ich hab meine Mutter gefunden."

Quelle
http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/vermischtes/35186.html


Menschenrechtler an SPD-Führung:
Die PDS ist mit der Kommunistischen Plattform nicht koalitionsfähig
 

Berlin / Frankfurt/M. (5. Dezember 2001) - Die PDS darf in Berlin nicht mitregieren, solange sie extremistische Gruppen beherbergt, die unserer Verfassung feindlich gegenüber stehen, er-klärte am heutigen Mittwoch in Frankfurt Karl Hafen, Geschäftsführender Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Die IGFM kritisiert in scharfer Form die Berliner SPD-Führung, die "offenbar nur zum Schein mit demokratischen Parteien über eine Koalition verhandelt hat".

Hafen weiter: Um Schaden von der Hauptstadt und vom deutschen Volk abzuhalten, müssen die im Bund führenden Sozialdemokraten den PDS-unkritischen Kurs ihre Berliner Genossen sofort korrigieren. "Es ist ein Skandal, daß Klaus Wowereit zwölf Jahre nach dem Fall der Mauer mit der SED-Fortsetzungspartei paktiert. Es sit ein noch größerer Skandal, daß der sozialdemokratische Kanzler Gerhard Schröder bereit sit, eine derartige Koalition hinzunehmen!

Die PDS ist nach wie vor eine kommunistische Kaderpartei. Dies beweist ihre Mitgliederstruktur ebenso wie die Existenz stalinistischer sowie anderer verfassungsfeindlicher Clubs, Seilschaften und Landesverbände nach Art der von Sarah Wagenknechts Kommunistischer Plattform oder der PDS-Hamburg. Diese kommunistische Partei darf von der SPD weder aus ihrer Verantwortung für die Opfer von Mauermord, politischer Verfolgung und Haft, Zwangsarbeit und Zwangsadoption, Bespitzelung und Studierverbot entlassen werden, noch darf sie in ihrer Mitgliedschaft unverändert bleiben, nur um für SPD und PDS den Weg zu gemeinsamer Macht zu ebnen.

Quelle:
http://www.igfm.de/pm/pm2001/pm0112/p011205d.htm


22.02.2003
Nürnberg, Theater Nürnberg,
fon: 0911 - 2313575, fax: 0911 - 2313566

Renate Ahrens: Mütter-Los

Deutschland 1990 - nach dem Mauerfall, aber noch vorder Wiedervereinigung. Roswitha Berger ist auf demWeg von West-Deutschland in die zusammenbrechendeDDR, ihre alte Heimat. Es ist eine Fahrt in die Vergangenheit,von Unsicherheit und Ungewissheit überschattet.Anfang der 70er Jahre war ihre Flucht gemeinsammit Mann und Baby gescheitert, sie kam ins Gefängnis,wo man ihr das Kind gewaltsam wegnahm. Nach einigerZeit wurde sie in den Westen abgeschoben, ohne zuwissen, was mit ihrer Tochter geschehen war. Als mitder Mauer auch die Tore zu den Staatssicherheits-Aktenfielen, bekam Roswitha Berger Akten in die Hand,die das Schicksal ihrer Tochter offen legen und voneiner Zwangsadoption durch politisch zuverlässigereEltern zeugen. Ohne sich klar zu machen, was sie amEnde ihrer Reise finden wird, setzt sich Roswitha Bergerin den Zug nach Osten. Marion Steinmann ist eine 18Jahre junge, musikalisch hochtalentierte Frau, derengrößter Wunsch es ist, ihre Begabung zum Beruf zumachen. Die sich abzeichnende Wiedervereinigung, dieihre Stiefeltern mit Misstrauen und Argwohn betrachten,sieht sie als große Chance, ihren Traum Wirklichkeitwerden zu lassen. Ein Musikstudium ohne vorgeführtespolitisches Wohlverhalten, eine internationaleKarriere - vielfältig sind die Möglichkeiten, die sich ihrbieten. Eines Tages erhält sie die Nachricht einer Fremden,sie möge sie doch bitte in einem Hotel aufsuchen.Neugierig wie sie ist, geht Marion, gegen den Willendes Vaters, zu dem Treffen. Dort trifft sie auf RoswithaBerger, und deren Eröffnungen lassen die wohlgeordnetenVerhältnisse Marions wie ein Kartenhaus einstürzen.Der Ost-West-Konflikt wird zur zerstörerischen Privatangelegenheit.

Felix Bloch Erben info@felix-bloch-erben.de

Quelle:
http://www.iti-germany.de/text.pdf


Recht und Unrecht in der Justiz der DDR

Eine wesentliche Ursache für den Untergang der DDR war der Vertrauensverlust ihrer Justiz. Recht und Gesetz waren zu Instrumenten einer staatlich verordneten totalitären Ideologie degradiert worden. Auch Richter, Richterinnen und Staatsanwälte hatten sich zuvorderst an der sozialistischen Gesetzlichkeit zu orientieren. Das galt nicht nur für das Strafrecht und die Strafrechtspflege. Wenngleich die Tätigkeiten in diesem Bereich in besonderem Maße darauf abzielte, durch unverhältnismäßige Härte politisch Andersdenkende einzuschüchtern und die Herrschaft des SED-Regimes zu sichern.

Die Zwangsadoption und die Rechtlosigkeit der Lehrer, die wegen eines Ausreiseantrages gekündigt worden waren, belegen die politische Indienstnahme auch der Gerichtsbarkeit in Familien- und Arbeitssachen. Ein verwaltungsgerichtlicher Rechtsschutz gegenüber dem Tun und Lassen der Behörden war in der DDR bis in das Jahr 1988 nicht einmal in Ansätzen vorhanden.

Gleichwohl wäre es unangemessen, das gesamte Rechtswesen der DDR mit dem Etikett des Unrechtsstaates zu belegen. Es gab in allen Bereichen der alltäglichen Rechtspflege Tätigkeiten, die unbeeinflußt von der Staatsideologie ähnlich wie im bundesrepublikanischen Rechtswesen ausgeübt worden sind. Nicht zu verkennen ist auch das Bemühen in der ehemaligen DDR, die Gesetze in einfacher und verständlicher Weise zu formulieren. Auch verdienen die Versuche, Alternativen zum gerichtlichen Verfahren auszubilden, durchaus das kritische Interesse.

Ich betone dies [...], um dem Vorwurf vorzubeugen, daß ich die jüngste deutsche Rechtsgeschichte nur durch die schwarz-weiße Brille betrachte. [...]

Drei Wege eröffnen sich für das Bemühen, Justizunrecht wiedergutzumachen und zu ahnden:

Die Aufmerksamkeit gilt zunächst den Justizopfern und ihrem Anspruch, rehabilitiert zu werden. Politisch motivierte und in ihrer Rechtsfolge grob unverhältnismäßige Urteile sind aufzuheben oder zu korrigieren. Der erlittene Freiheitsentzug und Gesundheitsschaden sind zu entschädigen. Zum zweiten geht es um die strafrechtliche Ahndung des Mißbrauchs von Rechtsformen durch das Justizpersonal. Hier geht es zum Beispiel um den Vorwurf der Rechtsbeugung und der Freiheitsberaubung. Zum dritten ist die Frage zu beantworten, ob die Richterinnen und Richter, die Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, die dem DDR-Regime gedient haben, wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren oder an diesen verbleiben dürfen. Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach, "Recht und Unrecht in der Justiz der DDR", in: Zeitschrift für Rechtspolitik 5/1992, S. 170 f.

Quelle:
http://www.bpb.de/publikationen/WRHYOH,4,0,Politische_Strafjustiz_vor_und_nach_1945.html


Mi, 10.04.02, 20.15 Uhr
Do, 11.04.02, 07.30 Uhr

Geraubte Kinder - Zwangsadoptionen in der DDR

Der Film dokumentiert erschütternde Fälle von staatlich organisiertem Kindesraub in der DDR. Bei ihren Recherchen stießen die Autorinnen auf heftigen Widerstand, auf Ängste bei den Opfern und Drohungen seitens der Täter. Trotzdem gelang es ihnen, ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte aufzurollen.

Petra K. lebte 1980 mit ihrem kleinen Sohn Enrico in einer 1 1/2 Zimmer Altbau-Wohnung in Gera. Die Wände waren verschimmelt, die Wasserleitung fror im Winter ein, es gab kein Bad. Sie beschwerte sich an höchster Stelle über den untragbaren Zustand und begann, Ausreiseanträge zu stellen. Da geschah das Unfassbare: Der zweijährige Sohn wurde ihr als Strafe weggenommen und zur Adoption frei gegeben. Eltern, die eine Flucht in den Westen versucht oder auch nur den Gang zur Wahlurne verweigert hatten, wurden die Kinder weggenommen. Unter neuer Identität, unauffindbar für leibliche Eltern, wuchsen etwa 100 zwangsadoptierte Kinder in linientreuen Familien auf. Petra K. hatte sich Jahre lang nicht getraut, nach ihrem Sohn zu suchen. Ihre Angst bestand auch noch nach der Wende, denn im Jugendamt saß noch die selbe Frau, die ihr Enrico weg genommen hatte. Erst nach deren Pensionierung fasst sie Mut, nach ihrem inzwischen 22-jährigen Sohn zu suchen.

Film von Mica Stobwasser und Natascha Tillmann (2001)

Quelle
http://www.phoenix.de/dokus/10674/index.html